Liebes Tagebuch…

Was sagt Achim Schaffrinna, Inhaber des Blogs »Designtagebuch« zum Thema Awards?

1. Wie hat der gesamte Tumult zum Thema Red Dot Ihre Meinung diesbezüglich beeinflusst? Wie würden Sie nun Ihre Haltung zum Red Dot beschreiben?

Ich nehme an, mit »Tumult« meinen Sie die Berichterstattung im Zusammenhang mit der Red-Dot-Kritik-Website, die mittlerweile wieder vom Netz genommen wurde. Kritik am Red Dot gab es ja bereits vorher. Die Red-Dot-Kritik-Website hat sich mehr der Polemik verschrieben, als dass hier ernsthafte Argumente ins Feld geführt wurden. Meine Haltung zum Red Dot und zu Designpreisen im Allgemeinen hat diese Website nicht verändert. Designpreise sind eine feine Sache, nur, wenn zuviel ausgezeichnet wird, glänzt keiner mehr so richtig. Weniger Auszeichnungen würden das Ansehen sowohl des Preises, wie auch der Preisträger mehren.

Der Preis ist heiß
Auszeichnungen in der Kreativbranche heißen »Red Dot« oder »IF« und sind ein starker Wirtschaftsfaktor.

2. Wo würden Sie die Bedeutung des Red Dots im Vergleich zu anderen Design-Awards einordnen? Wo sehen Sie die Bedeutung der Awards im Allgemeinen in den kommenden Jahren?

Red Dot und IF dürften auf einer Stufe stehen und national wie international, ungeachtet der oben genannten Kritik in Bezug auf die Auszeichnungsflut, über einen guten Ruf verfügen. Wer erst einmal durchblickt hat, dass beide Designpreise nichts anderes als Geschäftsmodelle sind, bekommt noch einmal einen anderen Blick auf die so »ausgezeichneten« Arbeiten. Die Bedeutung, vor allem dieser beiden Designpreise, wird abnehmen, je mehr Preisträger es Jahr für Jahr gibt. Das genaue Gegenteil wäre wünschenswert.

3. War/ist die Kritik an dem Preis gerechtfertigt? Wie würden Sie im Nachhinein die Art der Kritik von »Designkommando« beurteilen? Inwieweit möchten Sie mit Ihrem Blog eine Plattform für derartig einseitig meinungsorientierte Vereinigungen bieten?

Siehe oben. Eigentlich war es keine Kritik am Preis, sondern der Versuch, den Initiator des Red Dot, Peter Zec, zu denunzieren. Mir war es ganz wichtig, die »Kritik-Website« im »dt« vorzustellen und zu thematisieren. Aufgrund der Diskussion, die sich daraus ergeben hat, hat sich schnell abgezeichnet, dass hier eine oder mehrere Personen nur heiße Luft ausstießen.

»Ehre wem Ehre, aber ohne Gebühr«
Ein Interview mit Juli Gudehus, Gründerin des »Ehrenpreises«

4. Allein 2011 hat Apple für seinen Apple TV, IPhone4, Mac Mini, Magic Trackpad, IPod Touch, MacBook Air 13“ und MacBook Air 11“ jeweils einen Red Dot bekommen. Sind diese Auszeichnungen aus Ihrer Sicht verdient bzw. gerechtfertigt?

Dass Apple-Produkte maßlos überbewertet sind, dürften die wenigsten Juroren bemerkt haben, Nutzer von Apple-Produkten sehr wohl. Ich kenne Keinen, der etwa seine Mighty Mouse nicht schon einmal zum Teufel gewünscht hätte. Der
kleine Trackball und die glänzende Oberfläche sind Garanten für Designpreise, 2006 hat sie den Red-Dot-Product-Award erhalten. Für Anwender ist die dreck- und staubanziehende kleine Kugel, die beim Schollen immer wieder den Kontakt verliert und die sich nur sehr schwer reinigen lässt, die Hölle. Würde man bei Designpreisen den Faktor Langlebigkeit und Nutzerfreundlichkeit berücksichtigen, dürften wohl die meisten Apple-Produkte leer ausgehen. Hier scheint mir der weltweite Hype um die Marke, die zweifellos vieles Gute hervorgebracht hat, den Blick ein wenig zu vernebeln. Davon abgesehen fallen mir vermehrt Preisträger auf, bei denen ich keinesfalls das Ausgezeichnete entdecken kann. Die  Leuchtturmfunktion, die ein Preis meines Erachtens haben sollte, haben Red Dot und IF schon lange verloren, wenn sie sie denn jemals inne hatten.

5. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für Veröffentlichungen?

Als Verantwortlicher bin ich an keine Vorgaben gebunden. Wenn ich etwa die Relevanz eines Themas in Frage stelle, entscheide ich nach eigenem Gefühl. Meist liege ich damit ganz gut, zuweilen sind meine Entscheidungen aber auch
nicht von allen Lesern nachvollziehbar, was ich billigend in Kauf nehme, in Kauf nehmen muss. Wenn es nach einigen Lesern ginge, dürfte ich über nichts anderes schreiben als über Logowechsel. Ich würde wohl eher den Blog
einstellen, als dass ich mich an solch einer Eingrenzung hielte.

6. Wo sehen Sie Ihre Verantwortung in der Verbreitung designrelevanter Themen?

Ich bin mir der Reichweite durchaus bewusst. Eben genau deshalb ist es mir wichtig, eine kritische Sicht auf die Dinge zu bewahren und diese mit in die Artikel einfließen zu lassen. Ganz bewusst möchte ich keine Glanzwelt, wie es sie im Umfeld von Designpreisen gibt. Design ist nicht nur glanzvoll, nicht nur heile Welt. Design ist ein Instrument, mit dem man Greenwashing betreiben kann. Wenn sich Unternehmen hinter schönen Fassaden verstecken und Design an dieser Stelle missbraucht wird, dann möchte ich, dass dies Jeder mitbekommt. Design lässt einen wunderbar zwischen den Zeilen lesen. Mal kaschiert es, mal formuliert es die Werte eines Unternehmens auf den Punkt und mal versinkt es in der Beliebigkeit. Ich schreibe über das, was ich sehe und finds klasse, dass so Viele mitlesen.

7. Glauben Sie den Markt mit den Veröffentlichungen beeinflussen zu können?

Das hoffe ich. Da bin ich ganz ehrlich. Ich möchte Websites, die tadellos funktionieren und dabei gut aussehen. Ich möchte Produkte so präsentiert sehen, dass sie mich (zum Kauf) verführen. Darin unterscheide ich mich nicht von den Meisten. Ich versuche im »dt« aufzuzeigen, wie solch eine »Verführung« gelingen könnte. Es sind Empfehlungen, die ich ausspreche. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich solch eine Empfehlung umgesetzt sehe. Das ist Ansporn und Motivation für weitere Artikel.


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