»Ihr habt doch nichts dagegen, auf dem Boden zu sitzen!?«

Restauratoren sind sehr gastfreundlich. Der hier auf jeden Fall.

Wie oft hast du dich schon dabei erwischt, einen kleinen Blick in fremde Fenster werfen zu wollen. Einfach mal gucken, wie es denn da so aussieht

Schöne Bilder an der Wand!
Die haben ja eine hässliche Lampe!
Hab ich da gerade echt eine Porzellanpuppensammlung gesehen?

Das Ganze hat wenig mit Spannerei zu tun. Eher mit Interesse! Irgendwie ist man doch daran interessiert, wie die anderen so wohnen und ticken. Ähnlich wie Kleidung, ist die Wohnung eine Projektionsfläche für die Persönlichkeit seines Besitzers. Lernt man jemanden kennen, so hat man anhand der Kleidung sofort einen Anhaltspunkt für die Vorlieben dieser Person. Mit diesen Anhaltspunkten kann man immerhin grobe Charaktereigenschaften konstruieren. Das klappt nicht immer, aber man versucht es ja doch recht oft.

In Alex‘ Fall war es ein wenig anders. Hauptaugenmerk war zunächst lediglich sein Studium zum Restaurator. Mir war nicht klar, wie man als Restaurator seinen Tag verbringt und welcher »Typ Mensch« sich hinter diesem Beruf verbirgt. Durch die Gespräche mit Alex wurde dieses Bild immer klarer, bis es die nächsten Fragen aufwarf. Wie verbringt ein Restaurator seine Freizeit? Wie wohnt er?


Immer wieder erwähnte Alex in kurzen Nebensätzen Kleinigkeiten aus seinem Leben, die sich wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammensetzten. Er selbst bezeichnete sich als »speziell« und damit hatte er auch recht! Nicht im negativen Sinn, sondern einfach aufgrund seiner extremen Begeisterung für »altes Zeug«. Irgendwie lag es nah, dass er auch zu Hause viele alte Dinge horten musste. Wir fragten nach möglichen Sammlungen und Dingen, die ihm lieb waren, aber irgendwie wurde das Puzzle nicht fertig. Wahrscheinlich merkte er das, denn plötzlich sagte er »Ach, wisst ihr was? Kommt doch einfach mal zum Kaffee vorbei!« Gute Idee!

Gesagt. Getan. Eine Woche später standen wir vor seiner Haustür. Zugegeben, wir waren schon recht neugierig! Er öffnete uns die Türen mit den Worten »Ich hoffe, ihr habt nix dagegen auf dem Boden zu sitzen!?« und bei mir entwickelte sich der spontane Gedanke »Uha. Was kommt denn jetzt?«. Wir betraten sein Zimmer und wurden sofort von dieser entspannten Gemütlichkeit umsponnen. Es gab Kaffee und Kuchen und im Hintergrund dudelten die Balkan-Beats vor sich hin.

Aber seht selbst, warum wir auf dem Boden sitzen »mussten« und wie diese Wohnung das Puzzle um Alex vervollständigt.

Was anderes gefällig?

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